16Sep/0915
VMM: freigelassene Bretter
Da es am ersten VMM-Spieltag drei kampflose Partien gab, weise ich nochmals darauf hin, dass kampflose Partien in dieser Saison gemäß Beschluss des Verbandskongresses und der Ausschreibung mit einer Geldbuße belegt werden.
Bei dem Verein, der am Vorabend den Gegner informierte, welches Brett er freiläßt, verzichte ich darauf.
UPDATE 25.9.: Da offensichtlich nicht allen Vereinen bekannt war, unter welchen Umständen man eine Geldbuße für das Freilassen eines Brettes verhindern kann, habe ich sämtliche verhängte Geldbußen der ersten Runde aufgehoben. In der nächsten Woche werde ich auf dieser HP ausführlich Einzelheiten erläutern.
September 18th, 2009 - 19:31
Mich würde vor allem mal interessieren, wieviel von der Geldbuße der Geschädigte bekommt. Also der, der nicht informiert wurde und ggf. Fahrkosten hat, ganz abgesehn vom Zeitaufwand.
Oder ob alle Funktionäre am Ende von den Geldbußen groß essen gehen.
September 18th, 2009 - 22:26
Ist doch klar:
da wir Funktionäre vor lauter freier Zeit überhaupt nicht wissen, was wir machen sollen, treffen wir uns nach der Saison und versaufen die Bußgeldkasse.
Besonders viel Einnahmen erhoffen wir uns von der Buße für abgesprochene und geschobene 4:4
September 19th, 2009 - 13:07
Auch wenn der letzte Satz meines Mannschaftskollegen sicherlich etwas ketzerisch formuliert ist und in dieser Schärfe nicht nötig gewesen wäre, steckt darin doch eine Frage (oder sogar mehr als eine), die unbeantwortet geblieben ist:
Was zum Teufel geschieht mit den Bußgeldern?
Was hat der Schachfreund, der z.B. von Weidenau nach Schwerte (ich nehme jetzt mal Schwerte, weil mir von denen nicht bekannt ist, dass dort Bretter freigelassen werden und sich somit niemand auf den Schlips getreten fühlen dürfte) fährt, dort ankommt, erfährt, dass sein Gegner nicht da ist, sechs Stunden auf eine Rückfahrgelegenheit wartet und abends von der Ehefrau hören muss, warum er erst jetzt nach Hause kommt, davon, wenn die gegnerische Mannschaft 20 € zahlen muss.
Dort weigert sich nun der Schachfreund, der z.B. wegen einer morgens einsetzenden Grippe, eines Todesfalls in der Familie… auch noch 20 € zu zahlen, so dass der Verein diese Buße trägt.
Was also passiert mit diesen 20 €?
Vielleicht wäre es mal eine Überlegung wert, ob man vor Einführung einer solchen Regel diese Homepage benutzt und mögliche Neuregelungen zur Diskussion stellt.
Worum geht es denn?
Wir sind uns doch wohl alle einig, dass wir taktisch freigelassene Bretter nicht wollen (um eventuellen Vorwürfen vorzubeugen: ja, auch der SV Hemer hat schon taktisch Bretter freigelassen).
Keiner will aber auch den Schachfreund, der nun wirklich kurzfristig absagen muss und für den es z.B. am achten Spieltag keinen Ersatzmann mehr gibt, bestrafen.
Mein Alternativvorschlag wäre z.B., dass stets das letzte Brett freigelassen werden muss. Ggf. kombiniert man das mit einer – wie auch immer noch zu modifizierenden – Pflicht, nach DWZ aufzustellen.
Taktisches Freilassen ist dann wohl sinnlos.
Anstatt sich mit diesen Fragen zu beschäftigen kommt der mehr oder wenig deutliche Hinweis an den Fragesteller, wie viel Zeit man doch für sein Engagement im Verband investiere und die Frage wird nicht ansatzweise beantwortet.
Ich habe nach Kais Hinweis auf die neue Regel (ob man die nun gut findet oder nicht – es sollte zumindest honoriert werden, dass Kai darauf nochmal hinweist und nicht einfach solange Bußen verhängt, bis es jeder gemerkt hat) mehrere Gespräche mit Spielern geführt, die wenig Verständnis für die Regel und die fehlende vorhergehende Diskussion haben.
Wenn dies dann mal einer hier artikuliert, sollte man seine Fragen auch beantworten.
Wenn irgendwann keine Spieler mehr spielen wollen, brauchen wir keine Regeln mehr.
Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Jagodzinsky
September 19th, 2009 - 14:00
Ok, um es zu vereinfachen, trennen wir die Disskussion in 2 Teile:
a) was passiert mit dem Geld:
Das Geld geht in die Verbandskasse. Damit werden also Verbandsturniere finanziert und auf lange Sicht die Beiträge (geringfügig) niedriger gehalten.
Eine Erstattung im Sinne von Schadensersatz an den “Geschädigten” gibt es nicht, das geht schon aufgrund der Gemeinnützigkeit nicht. Dem Spieler der kampflos gewonnen hat, ist ja in dem Sinne kein “Schaden” entstanden, er hat ja den Punkt, und die gleichen Aufwendungen, wie wenn er diesen hätte erspielen müssen.
Eine sonstige finanzielle Zuwendung ist aber dem Verband nicht erlaubt.
b) zur Regelung “Bußen für freigelassene Bretter”:
der Entsprechende Antrag vom Spielausschuss wurde mit der Einladung zum Kongress veröffentlicht. Wie eine solche Regelung aussehen sollte, um kampflose Partien zu minimieren, ist immer ein großes Diskussionsthema. Klar war aber allen Beteiligten, das es in den Verbandsligen so nicht weitergehen kann.
Die momentane Regelung ist ein aus dem Kongress entstandener Kompromiss, der auf das Fingerspitzengefühl des Spielleiters angewiesen ist (weil anders nicht in einer Spielordnung formulierbar): die Geldbuße beträgt pro freigelassenes Brett BIS ZU 20 EUR. Sagt ein Gegner rechtzeitig (sprich mindestens am Abend vorher) ab, wird keine Buße erhoben.
So ist zumindest der Anreiz da, sich selbst die Buße zu sparen, indem man dem Gegner die Fahrt erspart.
Die Regelung, das das letzte Brett freigelassen werden MUSS ist nicht machbar, solange wir noch eine Toleranz haben, die ein Spieler zu spät zum Kampf kommen kann (derzeit noch 30 Minuten). Weil dann passiert folgendes: eine Mannschaft tritt mit 8 Spielern, Brett 7 ist aber noch am Weg zum Spiellokal. Mannschaftskampf beginnt, Brett 7 baut einen Unfall und kommt nicht. Nach 30 Minuten wird der Mannschaftskampf abgebrochen, da die Mannschaft verloren hat, da sie nicht Brett 8 freigelassen hat (eine Niederlage muß die logische Buße sein, wenn wir eine Geldbuße dafür verhängen, sind wir quasi beim jetzigen Stand).
Ich gehe aber davon aus, das der Spielleiter derzeit für das Freilassen von Brett 8 keine Buße verhängen wurde (also noch ein Weg, der Buße zu entgehen)
Eine Aufstellung nach DWZ wird in der U20-Liga praktiziert, nachdem dort immer wieder irgendwelche “Karteileichen” nach vorne gemeldet wurden, um taktisch freizulassen. Wenn ich mir die Aufstellung von Velmede-Bestwig und Wickede ansehe, sollte man ernsthaft überlegen, die Regelung auch in den Verbandsligen anzuwenden…..
September 20th, 2009 - 03:31
Sehr aufschlußreich.
Man kommt argumentativ nicht mehr weiter, also weist man diskret auf Aufstellungen hin, die einem offenbar mißfallen.
Welch beindruckendes Ablenkungsmanöver.
Schon sind sämtliche hausgemachten Probleme vergessen.
Da spürt man sogleich die geballte Weltklugheit eines erfahrenen Gesinnungsfunktionärs.
Und doch wirkt das ganze ziemlich durchsichtig.
Denn daß die gegenwärtige Mißstimmung keineswegs mit den Wickeder bzw. Velmeder Aufstellungen zusammenhängt, sondern stattdessen auf einer wenig überzeugenden Auslegung der bestehenden Regeln beruht, dürfte allgemein bekannt sein.
Abschließend möchte ich jedoch in einem Punkt zustimmen: Man sollte “ernsthaft nachdenken”.
Zumindest ab und zu …
Und insbesondere, bevor man sich zu Dingen äußert, deren Hintergründe man weder kennt noch beurteilen kann.
Andreas Karmainski
September 20th, 2009 - 14:20
Besten Dank für die schnelle Antwort.
Das letzte Argument ist natürlich richtig und wurde von mir nicht bedacht.
Wobei wir dieses Problem tatsächlich nur in dem Fall haben, dass der Grund für das Freilassen irgendwo in der Anfahrt begründet liegt.
Da könnte man dann über Fingerspitzengefühl sicherlich die Sache regeln.
Es wäre aber sicher eine Hilfe für alle Mannschaftsführer, wenn Kai sich hier erklären würde, ob er in dem Falle, dass das/die letzte/n Brett/er freigelassen werden sollte/n von einer Geldbuße generell Abstand nimmt.
Um es klar zu sagen, die Einführung der 0-Toleranz Regelung, wie sie ja seitens des DSB für die zweiten Ligen und die Frauenbundesliga beschlossen worden ist (der zuständige Funktionär hat übrigens eine DWZ von unter 1500), würde dazu führen, dass ich sofort unsere Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden würde.
September 20th, 2009 - 22:08
Lieber Schachfreund Karmainski:
Ich starte keinerlei Ablenkungsmanöver. Ich erkläre die Wirksamkeit und Probleme einzelner Strafen.
Die derzeitigen Mißstände liegen darin, das zuviele Partien kampflos entschieden werden. Also ist der Verband (und nicht etwa die Funktionäre, die Diskussion und Entscheidung der Neuregelung hat auf dem Verbandskongress stattgefunden) bemüht, diesem Mißstand entgegen zu wirken.
Daraus resultiert eine Änderung der Regel, nun müssen wir sehen, ob dies Erfolge bringt.
Und dann weiß ich auch nicht, wo es eine wenig überzeugende Auslegung der Regel geben soll:
die Regel ist klar: kampflose Abgabe eines Brettes: bis zu 20 EUR Buße.
Und dies wird nun umgesetzt.
Aber ich lasse mich gerne über die Hintergründe aufklären. Bisher sehe ich: Gemeldet wird ein Spieler mit DWZ 1246 an Brett 1, der seid 8 Jahren kein gewertetes Turnier mehr gespielt hat.
Dieser ist am ersten Spieltag nicht angetregen.
Und ich werde nicht der einzige sein, der vermutet, das es nicht daran liegt, das dieser Spieler zwar eingesetzt werden sollte, aber nicht zum Treffpunkt erschienen ist.
Darin sehe ich ein Problem, weil die Gegner an Brett 1 werden sich wohl nicht freuen, wenn sie zum Spiel kommen, um dann festzustellen, das mal wieder Brett 1 freigelassen wurde. Dies geschah so in den letzten Jahren immer wieder in der U20-Liga, daraufhin ist die “Aufstellung nach DWZ”-Regelung eingeführt worden.
Zum freilassen letztes Brett:
das Thema ist lange diskutiert worden. Problem: wenn jemand fehlt, wird vorne freigelassen, und dann heißt es “natürlich wollte der kommen, aber der hatte gerade eine Panne/Unfall/Geburt/etc.”. Da brauchen wir uns nichts vormachen, die Vereine nutzen das aus. Der Kompromiss ist halt, das für Freilassen des letzten Brettes keine Buße erhoben wird. Das steht noch nicht explizit in den Regeln, Kai Lück hat aber den Auftrag vom Kongress, dies so zu handhaben. D.h.: für Freilassen von Brett 8 wird keine Buße verhängt.
Die Einführung der 0-Toleranz-Regelung wäre für viele ein Grund, der Liga den Rücken zu kehren.
Daher wurde das von uns auch von in den Ausschreibungen anders geregelt. Hier waren aber alle Beteiligten der Meinung, das 30 Minuten Wartezeit ausreichend sind.
September 21st, 2009 - 12:06
Hallo, zusammen,
da ich am Wochenende keinen Internetzugang habe, bin ich erst jetzt wieder da.
Schön, daß ich tatsächlich eine Antwort auf meine Frage bekommen habe (nachdem Andreas Jagodzinksy nachgehakt hat).
Mittlerweile geht die Diskussion in eine etwas andere Richtung, aber ich möchte nochmal meinen Punkt nachhaken.
Das Argument mit der Gemeinnützigkeit verstehe ich nicht. Zunächst mal ist ein umsonst Angereister geschädigt und keine Gemeinschaft.
Und dem Geschädigten (nicht nur Hemer hat Spieler von “außerhalb”) kann durchaus ein Schaden entstanden sein, wenn er unnütz von, sagen wir mal, Witten ins Hochsauerland fahren muß, am besten noch im Winter – obwohl der Heimmannschaft klar war, daß das betreffende Brett freibleibt.
Und keiner von denen, die ich kenne, spielt in einer Mannschaft, um kampflos Punkte zu bekommen (die ja nichtmal seine DWZ verbessern). Man kann wohl kaum einen erspeilten Punkt mit einem kampflosen vergleichen.
Und “finanzielle Zuwendung” vom Verband würde ich das schon gar nicht nennen, denn die Mannschaft, die nicht rechtzeitig Bescheid sagt, verursacht ggf. Kosten bei der gegnerischen Mannschaft, die meinem (Rechts)Verständnis nach durch diese Geldbuße ausgeglichen werden müßten.
September 21st, 2009 - 14:42
Als nahezu Unbeteiligter möchte auch ich einen Kommentar loswerden.
Idealfall: Heimmannschaft tritt mit 8 Spielern an,der Gast hat auch 8 Leute dabei. Alle haben einen wundervollen (mehr oder weniger) Sonntag.
Wer jetzt die €20 bekommt, wenn eine Mannschaft nicht komplett ist, ist doch völlig schnuppe. Ich persönlich brauche keine €20, um für einen kamplosen Punkt “entschädigt” zu werden.
Ich möchte Schach spielen. Das geht sicherlich 99% der Spieler so. Die Initiave des Schachverbandes sollte die Bereitschaft erhöhen komplett anzutreten oder so fair sein, rechtzeitig abzusagen(zumindest ist das bei mir so angekommen). Die Diskussion hier zeigt,
dass das von einigen nicht so verstanden wird.
Grüsse aus dem Rheinland René Kramps
September 21st, 2009 - 16:00
Lieber Schachfreund Mohr,
besten Dank für Ihre Stellungnahme.
Natürlich stimme ich mit Ihnen in der Ablehnung einer 0-Toleranz-Regelung überein. Eine solche Regelung hätte sicherlich katastrophale Auswirkungen auf den Spielbetrieb, die es unbedingt zu vermeiden gilt.
In einigen anderen Fragen gehen die Meinungen naturgemäß auseinander:
Zunächst mal gehe ich davon aus, daß keine Mannschaft grundlos (oder gar aus böser Absicht) mit 6 oder 7 Spielern antritt. Stattdessen liegen im Normalfall konkrete Gründe vor. Das mögen kurzfristige Anlässe oder auch längerfristige Problemlagen sein.
Dabei halte ich es kaum für möglich, die Ursachen des jeweiligen Einzelfalls per Ferndiagnose zu ermitteln und so zu einer angemessenen Beurteilung der jeweiligen Situation zu kommen. Insofern halte ich diesbezügliche Ermessensentscheidungen für ziemlich problematisch, allein schon weil damit im Endeffekt zwischen respektablem und (vermeintlich) weniger akzeptablem Freilassen unterschieden würde.
Auch von einer Verlagerung der kampflosen Partien in Richtung achtes Brett rate ich grundsätzlich ab. Denn das träfe vor allem potentielle Ersatzspieler, von denen sich viele über einen oder mehr Einsätze in einer höheren Spielklasse freuen würden, dann aber wohlmöglich mit 1-2 kampflosen Punkten pro Saison abgespeist würden. Und das wäre für die Spielfreude der Betroffenen vermutlich wenig förderlich.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Karmainski
September 21st, 2009 - 20:27
So wie ich das sehe, sind die Interessen der Spieler und der Verbandsfunktionäre mit ihrer Grundidee nicht so weit auseinander, wie es bei Dir, Rene, vielleicht angekommen ist. Der Idealfall ist genau der, den du beschreibst: zwei Mannschaften mit je acht Leuten spielen gegeneinander und nach maximal sechs Stunden hat die am Spieltag bessere Mannschaft gewonnen, ohne dass es irgendeine Streiterei über irgendeine Regel gegeben hat.
Leider gibt es aber aus den verschiedensten Gründen Vereine, die gelegentlich Probleme haben, ihre Leute komplett an die Bretter zu bringen.
Also sollte man überlegen, wie man dem Problem begegnen kann. Und da hätte mich eine solche Diskussion vor der Regeländerung gefreut.
Denn wie man an der aktuellen Diskussion sieht, gibt es Gesprächsbedarf.
Und es sind auch noch nicht alle Unklarheiten beseitigt.
Kai sagt oben absolut eindeutig, in welchem Fall er darauf verzichten wird, von der Buße Abstand zu nehmen. Da ist von einem Auftrag des Kongresses, bei freigelassenem 8. Brett keine Buße zu verhängen keine Rede. Eventuelle “Aufträge des Kongresses” kann ich auch der Ausschreibung/Satzung oder welcher Rechtsgrundlage auch immer nicht entnehmen.
Wir sollten es dem Spielleiter nicht noch schwerer machen.
Hier ist weder für Aufträge an den Spielleiter noch für Schuldzuweisungen an einzelne Vereine ohne Kenntnis des Sachverhalts im Einzelfall Platz. Das muss in dieser Deutlichkeit gesagt werden.
Vielmehr sollten wir überlegen, ob eine solche Regelung, die immerhin 30 Mannschaften betrifft, nicht einer größeren demokratischen Legitimation bedarf.
Ich halte immer noch die Pflicht zum Aufrücken für die beste Lösung.
Die Probleme, die Daniel beschreibt, wenn sich nach 31 Minuten herausstellt, dass doch Brett 2 frei bleibt, scheint mir mehr Platz für eine Ermessensentscheidung des Spielleiters zu lassen.
Eine beginnende Geburt bekomme ich vor 14.00 Uhr mit, mithin: Geldbuße
Eine Krankheit tritt auch vor Abgabe der Aufstellung ein, ergo: Geldbuße
Es verbleiben eigentlich nur Probleme bei der Anfahrt. Und da muss der Spielleiter sich eben auf die Aussagen der Mannschaftsführer verlassen. Wenn eine Mannschaft wirklich so ein Spektakel abzieht und eine Autopanne vorspielt (immerhin müssen alle Spieler der unvollständigen Mannschaft Überraschung heucheln), dann muss man eben hinnehmen, dass ein Schuldiger straffrei bleibt. Mehr als einmal funktioniert diese Nummer auch nicht.
Nur sollte das Problem eben von einer größeren Anzahl von Betroffenen diskutiert werden. Sonst werden wir demnächst nach jedem Spieltag drei Wochen warten müssen, bis Kai mit seinen Spielleiterentscheidungen durch ist.
Im Übrigen frage ich mich, ob es wirklich interessengerecht ist, dass eine Mannschaft, die aufgrund von plötzlichen Erkrankungen am Spieltag für zwei freigelassene Bretter 40 € zahlen muss und eine Mannschaft im Niemandsland der Tabelle, die am Vorabend des letzten Spieltags den nominell schwächeren Gegner, der im Abstiegskampf steckt anruft und mitteilt, die Bretter 1 und 2 bleiben frei (weil die beiden Spieler keine Lust haben), für ihr sportliches Verhalten mit Straffreiheit belohnt werden sollen.
September 22nd, 2009 - 10:16
Guten Morgen Andreas,
ich bin da ganz nah bei dir. Im Grunde geht es doch nicht um die Geldbuße, sondern wie wir es schaffen einen guten Spielbetrieb zu haben. ich bin auch skeptisch, dass der Versuch des Verbandes mit den €20 Früchte trägt. Ich wollte mit meinem Einwurf eigentlich die Schärfe rausnehmen und aufs wesentliche, nämlich das Schachspielen lenken.
Im Jugendschach gibt es ja für einen Sieg 3-1 Punkte, Unentschieden 2-2 und bei einem freigelassenen Brett gibt es eine 3-0 Wertung.
Die Spielfreude erhöht sich damit sicherlich auch nicht, aber zumindest muss man die Karteileichen ans Brett setzen. Das soll nicht heissen, dass ich diese Regelung gut heissen würde!
Das zeigt auf jeden Fall, dass es diese Probleme
nicht nur in Südwestfalen gibt. Ich habe ja ähnliche Erfahrungen im Mittelrhein und Niederrhein gemacht. Die haben es z.B. mit einer Bundesligawertung (MK-Sieg 3 Punkte Unentschieden 1 Punkt) versucht, das 4-4 ge”schach”ere zu vermeiden. Naja, mehr als ein Versuch war es auch nicht.
Vielleicht könnte man einen Spielerrat von z.B 5 Spielern wählen, die auf der nächsten Verbandsspielleitertagung beratend oder wie auch immer mit dabei sind!?
September 22nd, 2009 - 15:58
Alle diese Argumente habe ich schon einmal gehört. Wahrscheinlich kennt Kai Lück, der für diese Entscheidungen (Bußen o. ä.) zuständig ist sie auch schon. Sie sind auch bei der Debatte über diese Regeln berücksichtigt worden.
Wie es schon sinngemäß im Vorwort der Fide-Regeln steht, kann man nicht alle möglichen Fälle im voraus entscheiden. Irgendwelche Streitfälle kann es immer geben, egal wie die Reglen lauten. Dafür gibt es einen Schiedsrichter, der ist bei uns Kai Lück. Er wird dann Fingerspitzengefühl anwenden, wenn es sinnvoll ist.
Ich habe seit Jahren seine Entscheidungen verfolgt, mir ist kein Grund aufgefallen, seine Freiheit irgendwie einzuschränken. (Eventuell könnte man sie ausdehnen)
Meine Variante, wie ich meine Mannschaft gegen Bußen schütze, ist dass ich nur dann Bretter frei lasse, wenn es unvermeidbar ist. Jeder Verein muss einen gewissen Spielraum haben, während der Saison Geld auszugeben, was theoretisch auch Geldbußen einschließt.
Im Vorteil sind natürlich die Vereine, bei denen sich die Spieler der nächst unteren Mannschaft mit der ersten identifizieren, so dass immer irgend welche Ersatzspieler bereitstehen. Das bedeutet ja nicht unbedingt, dass ein Spieler der (zum Beispiel zweiten) Mannschaft sich alle Termine der ersten frei halten muss, man kann auch wechseln. Auf diese Weise haben mehrere Spieler je 2 zusätzliche Termine, erfahren eventuell kurzfristig, dass die erste komplett ist, dann kann man sich mit der ersten freuen und eventuell zusehen. Wahrscheinlich halten einige Spieler diese Haltung für weltfremd? Aber jeder Verein profitiert von ehrgeizigen zuverlässigen Ersatzspielern. In diesem Sinne ist es auch sinnvoll, im Zweifelsfall aufzurücken, wenn man mit 7 Spielern spielt, Brett 8 frei zu lassen. In diesem Fall wäre auch ein schwächerer Ersatzspieler eine gewisse Verstärkung.
Was diesen Spielerrat von z.B.5 Spielern betrifft, würde sich dadurch meiner Ansicht nach nichts verbessern. Der Verbandsspielausschuss erfüllt die entsprechenden Voraussetzungen.
Ich finde es durchaus positiv, dass Interessierte ihre Meinung hier veröffentlichen.
September 22nd, 2009 - 20:20
Ich finde, wenn die Regelung und der nochmalige Hinweis darauf zu dieser Diskussion geführt hat, hat sie sich tatsächlich gelohnt.
Das bedeutet aber nicht, dass ich die Regelung für gelungen halte und vor allem nicht den Weg, wie sie zustande gekommen ist.
Ich denke, dass die letzte Anmerkung von Rene hier einige interessante Aspekte enthält, die man sich mal Punkt für Punkt anschauen sollte:
1. Es geht hier nicht um Schärfe oder gegenseitige Vorwürfe, sondern um eine bestmögliche Lösung des Problems der kampflosen Partien.
2. Die Regelung aus der Jugendliga ist zu überdenken, da eine gespielte Niederlage eben mehr wert ist als eine kampflose.
3. Die Idee des Spielerrats halte ich für absolut bedenkenswert.
Es geht hier gar nicht darum, dass dem Verbandsspielausschuss die Kompetenz abgesprochen werden soll.
Aber die Spieler sollten einfach mehr beteiligt werden.
Wenn man in der 2. Liga eine Spielerumfrage machen würde, wer für die 0-Toleranz-Regel ist, wäre die ABlehnung größer als 90%. Die Funktionäre, die dies entschieden haben, werden aber ebenfalls zu mehr als 90% niemals in der 2. Liga spielen.
Wenn hier aber Leute völlig über den Kopf der Spieler entscheiden, dann steht eins fest: diese Funktionäre sind fehl am Platz!
Die Entscheidungen von Kai halte ich z.B. nicht immer für zutreffend. Da steckt aber mit Sicherheit keine böse Absicht dahinter, sondern das Problem, dass er irgendeine Entscheidung treffen muss und die Regeln eben nicht immer eindeutig und z.T. sogar rechtlich fragwürdig sind. Und da nur die Spielleiterentscheidung kostenlos ist, wird diese Variante nicht so selten gewählt. Ihm z.B. ein Gremium zur Seite stellen, das von mir aus nur beratend tätig ist, würde ihm bei der Entscheidungsfindung helfen und möglicherweise den Vereinen, die betroffen sind, das Gefühl geben, dass hier offensichtlich eine Entscheidung von mehr als nur einer Person entschieden wird. Da die meisten Vereine schon aus Kostengründen auf einen Protest verzichten werden, verbleibt doch regelmäßig ein schaler Beigeschmack und in den meisten Köpfen der betroffenen Mannschaft wird der Spielleiter dafür verantwortlich gemacht.
Was die vom Schachfreund Pramann angedeutete Einplanung der Spieler der unteren Mannschaften betrifft, sind zunächst mal die Vereine im Vorteil, die über genügend Spieler unterhalb der I. Mannschaft verfügen.
Das ist aber in vielen Vereinen der Verbandsklasse gar nicht mehr gegeben.
Ein Punkt sollte hier aber auch nicht unberücksichtigt bleiben: Solange die Spieler nur über die Entscheidungen der Funktionäre ärgern und nichts machen, dann dürfen sie sich auch nicht beschweren.
Das heißt, dass man sich zumindest in die Diskussion einbringen sollte oder durch Stellung entsprechender Anträge auf Veränderungen hinwirken sollte.
September 23rd, 2009 - 11:49
Da die 0-Toleranz-Regel schon mehrfach angesprochen wurde: Ich halte 0-Toleranz im Amateursport (und den betreiben wir im Verband nunmal, auch wenn der eine oder andere Verein vielleicht auch Geld an Spieler bezahlt) für unakzeptabel.
30 Minuten halte ich aber auch für zu kurz, wenn man im Winter z. B. von Hemer nach Marsberg fahren muß. Ich verstehe nicht, warum man die Stunde nicht gelassen hat. Man muß sich doch nicht jeden Quatsch, den die FIDE ausheckt, so nah wie möglich annähern. Die 30 Minuten sollten meiner Ansicht nach überdacht werden.
Und um das Argument, das die meisten jetzt im Kopf haben, gleich vorwegzunehmen (“dann fahr doch rechtzeitig los”): man kann nicht immer vorhersehen, was “rechtzeitig losfahren” heißt. Es ist ja keinem Amateur zuzumuten, im Hochsauerland (oder auch im Siegerland, im Rheinland …) zu übernachten, nur weil es am Tag des Manschaftskampfes eventuell einen Schneesturm geben könnte.
Und selbstverständlich habe ich persönlich auch schon mal länger als 30 Minuten gewartet und eigentlich keine Lust mehr auf die Partie gehabt. Daß niemand warten möchte, kann ich also schon verstehen.
PS, @Rene: mein Ansinnen war es niemals, Geld für einen kampflosen Punkt zu bekommen, sondern ggf. den unnütz und unnötig verfahrenen Sprit ersetzt zu bekommen. (Obwohl, wo Du mich darauf bringst: Geld für kampflose Punkte, Abendessen vom Gastverein für Wartezeiten, da wäre was machbar